{"id":72,"date":"2018-07-07T16:43:58","date_gmt":"2018-07-07T14:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/leute-laender-leckereien.de\/wordpress\/?p=72"},"modified":"2018-09-03T16:39:22","modified_gmt":"2018-09-03T14:39:22","slug":"die-frachtschiffsreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leute-laender-leckereien.de\/wordpress\/2018\/07\/07\/die-frachtschiffsreise\/","title":{"rendered":"Die Frachtschiffsreise"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber Nacht nach Hamburg<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem sich sich der Zustand von Patty, unserem Patrol, leider als weit schlechter als annonciert herausstellte, dauerten die verschiedenen Werkstattarbeiten statt wie urspr\u00fcnglich prognostiziert bis Mitte Februar dann schlie\u00dflich bis Mitte Mai. Statt 3 Monate blieben also nur wenige Tage, um das Fahrzeug kennenzulernen, umzubauen und reisefertig zu machen. All unsere Pl\u00e4ne mussten auf ein Minimum zusammengedampft werden. Es f\u00fchlt sich recht mulmig an, schlie\u00dflich mit so wenig Kenntnis \u00fcber Patty auf eine einj\u00e4hrige Tour zu gehen. Nach einer recht kurzen Verabschiedung von der Familie ging es schlie\u00dflich gegen 20:00 Uhr auf die gut 600 km lange Strecke nach Hamburg. Wie bef\u00fcrchtet kam es zu l\u00e4ngeren Feiertagsstaus auf der Autobahn. Zudem machte sich der extrem wenige Schlaf der letzten Tage bemerkbar. F\u00fcnf kurze Schlummer pausen, waren notwendig, um ohne Risiko an dem von Seabridge angegeben Termin (31.05. 10:Uhr) am Kai zu sein. Wie \u00fcblich waren wir p\u00fcnktlich, konnten aber erst mit 25 Stunden Versp\u00e4tung an Bord. Uns kam diese Extrazeit in Hamburg recht gelegen. Wir gingen zum Mittagessen auf den Hamburger Fischmarkt und genossen einen ruhigen Nachmittag in Blankenese, wo wir zum ersten Mal im neu hergerichteten Bett von Patty \u00fcbernachteten. Wir schliefen sehr gut.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen haben wir unsere letzten Euro f\u00fcr Reiseproviant ausgegeben. Schlie\u00dflich steht in einigen Reiseberichten, dass das Essen an Bord teilweise recht eint\u00f6nig und knapp ausfallen kann. Kurz nach 11:00Uhr fuhren wir schlie\u00dflich in den Bauch der Grande Africa, mit uns Liesl und Gebhard, ein etwas \u00e4lteres Ehepaar, das mit einem Toyota Expeditionscamper unterwegs ist. Der Sicherheitsoffizier an Bord gab uns eine kurze Einweisung und sagte uns, dass wir in der Nacht gegen 23:00 Uhr ablegen w\u00fcrden. Es blieb also genug Zeit, noch ohne Seegang das Schiff zu erkunden. Bei sommerlicher Hitze sa\u00dfen wir gerade beim ersten gemeinsamen Abendessen, als einem von uns vieren auffiel, dass sich unser Schiff bereits bewegte. Erster Juli 2018, 19:00 Uhr, wir waren endg\u00fcltig unterwegs Richtung S\u00fcdamerika.<\/p>\n<p><strong>an Bord der Grande Africa<\/strong><\/p>\n<p>Schnell haben wir uns in unsere neue Umgebung eingew\u00f6hnt. Die n\u00e4chsten gut 30 Tage \u201ewohnten\u201c wir in einer kleinen Kabine ohne Fenster mit Stockbett und kleinem Bad mit Dusche, stets begleitet vom Dumpfen Grollen des gro\u00dfen Dieselmotors des Schiffes. Ein Fitnessraum mit verschiedenen Ger\u00e4ten, Hanteln und einer Tischtennisplatte bot die M\u00f6glichkeit sich einigerma\u00dfen fit zu halten. Fr\u00fchst\u00fcck gab es ab 7:30 Uhr, Mittagessen ab 12:00 Uhr und Abendessen ab 18:00 Uhr.<br \/>\nDas Essen war fast ausnahmslos sehr lecker, meist sehr umfangreich und voll nach unserem Geschmack. Wir konnten kaum glauben, wie viel Knoblauch zum Einsatz kam! Die Gerichte waren recht fleischlastig mit viel Lamm, Rind, auch Innereien und super zarte Zunge. Daneben wurde auch Fisch und Meeresfr\u00fcchte aufgetischt, dazu frischer Salat, Obst und meist verschiedene Beilagen. Zu jedem Mittag- und Abendessen wurde uns wahlweise ein Glas Rot- oder Wei\u00dfwein serviert. Das letzte Einkaufen von Reiseproviant war also v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig.<br \/>\nDer Kapit\u00e4n, an Bord \u201eMaster\u201c genannt, war Pole, seine Offiziere kamen aus Bulgarien und Polen, die Crew bestand aus Philippinen. Es war eine sehr nette Truppe, insgesamt 26 Mann. Die Zeit an Bord betr\u00e4gt zwischen einer Tour (ca. 2 Monate) f\u00fcr Kapit\u00e4n und seine Offiziere und 4 Touren (ca. 8 Monate) f\u00fcr den einfachen Seemann aus den Philippinen.<br \/>\nDie Crew ging meist Wartungs- und Alltagsarbeiten nach, die zwei Mal durch eine Feuer\u00fcbung bis hin zum Einsteigen in die Rettungsboote unterbrochen wurde. Eine Grillparty auf hoher See \u00fcbertraf noch das bereits gewohnt gute Essen. Vom Kadett bis zum Master hatten wir alle ein paar ausgelassene Stunden. Dazu wurde ein Basketballturnier ausgetragen. Wir Passagiere durften mitspielen. Zwar wurde uns versichert, dass es nur um den Spa\u00df an er Sache ginge. Schnell sp\u00fcrten wir, dass viele doch mit gro\u00dfem Ehrgeiz bei der Sache waren. Solange wir auf hoher See fuhren, wurden wir von der Crew in deren \u201eMessroom\u201c eingeladen. Wir feierten zusammen und \u00fcbertrafen uns gegenseitig mit unseren Karaokeedarbietungen. Etwas schr\u00e4g aber wahnsinnig nett! Vor dem Einlaufen in einen Hafen stieg das Arbeitspensum f\u00fcr die Besatzung stark an, beim Be- und Entladen in den H\u00e4fen wurde rund um die Uhr gearbeitet und man bekam kaum ein Besatzungsmitglied zu Gesicht. Dazu kam teils eine Bereitschaft auf unbestimmte Zeit, abh\u00e4ngig vom Termin des Einlaufens in den jeweiligen Hafen, der sich immer wieder teils bis um Tage verschieben kann.<\/p>\n<p><strong>die Route<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Auslaufen aus Hamburg ging es auf dem k\u00fcrzesten Weg zum einzigen afrikanischen Hafen, Conakry. Auf dem Weg dorthin passierten wir den \u00c4rmelkanal und die Kanaren. Endlich konnten wir auch den h\u00f6chsten Berg Spaniens bewundern. So in der warmen Morgensonne wirkte dieser Teil Spanien sehr einladend. Das, was wir in Afrika vom Schiff aus sehen konnten, wirkte kaum anziehend, nur manche Crewmitglieder verlie\u00dfen das Schiff f\u00fcr das BE- und Entladen. Anschlie\u00dfend ging es auf direktem Wege weiter zum ersten brasilianischen Hafen, Vitoria. Unterwegs \u00fcberquerten wir den \u00c4quator. was mit einer ausgiebigen Dusche f\u00fcr alle Neulinge gew\u00fcrdigt wurde. Unser Highlight aber war Rio den Janeiro. Schon die Hafeneinfahrt vorbei an Copacabana, Zuckerhut und Cristo Redendor, der Christusstatue war faszinierend. Dass wir unerwartet doch zur Copacabana konnten \u2013 urspr\u00fcnglich hie\u00df es, wir w\u00e4ren nur wenige Stunden im Hafen \u2013 war die Gelegenheit, Nataschas Geburtstag mit Kokuswasser und Caipirinha nachzufeiern. Eigentlich nur ein Strand wie viele andere, flaniert von in die Jahre gekommenen Hochh\u00e4user, ist es der Flair, der uns in den Bann zieht. All die Bars, so unterschiedliche Leute, das bunte Treiben und nach Sonnenuntergang die vielen Livebands sind nur einige der Zutaten f\u00fcr diese zauberhafte Stimmung. Die weiteren Hafenaufenthalte in Brasilien waren kaum erw\u00e4hnenswert. Nach knapp vier Wochen lagen wir dann nahe Montevideo vor Anker und warteten darauf, auf den Rio de la Plata und weiter nach Z\u00e1rate fahren zu d\u00fcrfen. Leider haben wir in Argentinien knapp eine Woche verloren. Offensichtlich gab es Probleme mit dem Zoll. Laut \u00fcbereinstimmenden Aussagen verschiedner Offiziere wollte man eine gro\u00dfe Summe Geld, der Master weigerte sich aber auch nur einen Peso zu bezahlen. Und so blieben auch unsere P\u00e4sse zun\u00e4chst unereichbar und wir konnten das Schiff nicht wie geplant verlassen. Sehr \u00e4rgerlich! Doch wir \u00fcbten uns darin, sich nicht \u00fcber Dinge aufzuregen, die man selber nicht beeinflussen kann. Als wir dan endlich von Bord durften, wurde uns dieser Umstand mit einem sehr leckeren Abendessen in Z\u00e1rate, dem letzten Hafen vor Montevideo, vers\u00fc\u00dft. Donko, ein wahnsinnig netter Bulgare, k\u00fcmmerte sich r\u00fchrend um uns. Schon lange schw\u00e4rmte er von diesem Restaurant mit auf offenem Feuer gegrillten Steaks, Chorizos und anderen Leckereien.<br \/>\nNoch eine weiter Nacht im Hafen und dann ging es endlich los Richtung Montevideo. So faszinierend die Zeit an Bord auch war, wir sehnten uns auf den Moment, mit Patty aus der Grande Africa zu fahren und auf gro\u00dfe Entdeckungstour zu gehen.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblick<\/strong><\/p>\n<p>Was bleibt von dieser Schiffstour? Wir w\u00fcrden es sofort wieder so angehen. Mit dem heutigen Kenntnisstand allerdings mit mehr Euro und Dollar und weniger Klamotten und Proviant im Gep\u00e4ck (alkoholische Getr\u00e4nke und Zigaretten k\u00f6nnen zollfrei mit eben \u20ac oderUS$ gekauft werden). Ratsam ist es sicher auch, sich mit mehr Disziplin den leckeren Mahlzeiten zu n\u00e4hern. Statt viel zu verdauern bleibt so mehr Zeit f\u00fcrs Spanisch lernen, Reise vorbereiten oder andere sinnvolle Besch\u00e4ftigungen.<br \/>\nUnd wir bekamen Einblicke in ein Welt, die uns bislang vollkommen verschlosse blieb: Frachtschiffe und Seeleute! Uns war gar nicht bewusst, was so alles \u00fcber die Meere geschippert wird. Allein die Tausende von Autos, die wir auf dieser einen Tour von Hafen zu Hafen bewegten, waren sehr beeindruckend. Und da sind Unmengen solcher Schiffe unterwegs, davon viele reine Autotransporter. Von all den reinen Containerschiffen gar nicht zu reden. Und das mit Schiffsdieseln, die dreckiges Schwer\u00f6l verbrennen. Ich frage mich da schon ab un zu, ob man wirklich Abermillionen von Autos \u00fcber die Ozeane verschiffen muss. \u00dcbrigens: All die sch\u00f6nen VW, Opel (hier laufen sie unter Chevrolet) oder Mercedesmodelle, um nur einige zu nennen, k\u00f6nnten nie in Europa zugelassen werden, weil sie u.a. die Abgaswerte nicht einhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Nacht nach Hamburg Nachdem sich sich der Zustand von Patty, unserem Patrol, leider als weit schlechter als annonciert herausstellte, dauerten die verschiedenen Werkstattarbeiten statt wie urspr\u00fcnglich prognostiziert bis Mitte Februar dann schlie\u00dflich bis Mitte Mai. 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